:: Der Blog ::


Nun sag, wie hast Du's mit der Religion?
Donnerstag, 25.02.2010

Diese Frage ist wohl für niemanden leicht zu beantworten. Selbst der Gelehrte Faust aus Goethes Werk tut sich damit schwer. Wie kann sich also ein einfacher Mensch, der nicht mit dem Teufel im Bunde steht, darüber klar werden? Je mehr Antworten man seinem Verstand und Herzen abringt, desto mehr Fragen tun sich auf. Je tiefer man in den Wald schreitet, desto dichter wird er eben.

Zwar bin ich konfirmiert, doch war ich seitdem kaum noch in der Kirche. Selbst an Weihnachten bin ich kein Gast im Hause des Herrn mehr, denn vor zwei Jahren war die Kirche bereits voll und der Pfarrer schickte mich weg. Ich sollte später wieder kommen und ich dachte doch, dass im Hause des Herren für jeden Platz wäre. Wie naiv von mir. Heute brauche ich nur den Fernseher und Computer anzuschalten, um zu sehen wie der abartige, unverständliche Wahn und das irrationale Handeln von Fanatikern als der "Wille Gottes" bezeichnet wird. Ich muss nur einige Hassvideos im Netz betrachten, um friedvolle Religionen in den trüben Augen von Mördern zu sehen. Doch langsam frage ich mich, ob der Glaube an eine höhere Macht, egal ob Buddha, Jesus oder Muhammed, nicht auch etwas Gutes, etwas Tröstendes hat. Was sonst bleibt uns denn?

Die Wissenschaft hat über den Glauben gesiegt, das war mit erschreckender Präzision zwingend und keiner würde es heute wohl leugnen. Doch gibt es dadurch keinen Gott mehr? Nein, denn die Wissenschaft ist zu ihrem eigenen Gott geworden und sie produziert schon seit einiger Zeit ihre eigenen Wunder. Die Raumfahrt, vollelektronische Kommunikation, die moderne Medizin und Biogenetik sind diese Wunder. Diese werden wir unseren Kindern erzählen und nichts über einen gewissen Jesus von Nazareth, der Blinde heilen und über Wasser laufen konnte. Alte Geschichten von der unbefleckten Empfängnis, sprechenden Dornenbüschen, Geister in Tauben und ein sich teilender Ozean sind bedeutungslos geworden und können mit den neuen Wundern nicht mithalten. Zumindest sind diese Errungenschaften, diese modernen Wunder der Beweis, dass die Wissenschaft alles erklären kann und auf einfach alles eine Antwort weiß. Der Sieg der Wissenschaft hat allerdings einen sehr hohen Preis gefordert. Zwar haben wir moderne Geräte, die uns die tägliche Arbeit erleichtern, neue Medien, die uns bequem unterhalten und die moderne Medizin, die unsere Gesundheit unglaublich verbessert, doch hat uns all dies eine verstörte Realität erschaffen. Die Technologie, die uns einen sollte, teilt uns. Wir sind zwar heute alle über das Internet mit der ganzen Welt verbunden, doch fühlen wir uns einsamer als je zuvor. Wir verbrinden Abend allein vor dem PC um mit irgendwelchen, weit entfernten Menschen zu reden, als um die Menschen in unserer direkten, realen Umgebung zu kümmern. Wundert es deshalb jemanden, dass der Mensch trübseeliger, sozialverwahrloster, niedergeschlagener und mutloser ist als je zuvor in der Geschichte ist? Wir geraten außer Kontrolle. Alles wird schneller, hektischer, rastloser. Heute regieren Apathie, Chaos und Zynismus die Welt und wir glauben lieber an Zahlen, Fakten und Formeln, als an universelle Werte wie Nächstenliebe, Toleranz oder Verständnis. Wir sind nicht mehr Gottes einzigartige Schöpfung, sondern ein unbedeutender Fleck im Universum, ein kosmischer Zu- und Unfall. Diese bittere Erkenntnis hat uns zu einer geteilten, hektischen Spezies werden lassen, die den Weg in ihre eigene Zerstörung lachend geht. Immer auf der Suche nach noch kleineren Computerchips und größerem Profit. Nach noch kleineren Packungen mit weniger Nährwert, aber oberflächlicher Befriedigung. Wer kann es sich in einer so schnellen Welt überhaupt noch erlauben, auch nur eine Sekunde anzuhalten und über die Folgen unseres Handelns nachzudenken? Aber warum auch, denn die gesamte Komplexität des Universums wurde in eine Vielzahl von komplizierten mathematischen Formel erklärt, die für jederman frei zugänglich sind. Doch leider sind diese für den Laien kaum verständlich und so wurde sogar der Selbstwert des Menschen zerstört. Es gab eine Zeit in der der Mensch etwas Besonderes war. Heute sind wir zu einer Zahl in einem binären System abgewertet. Eine unter vielen. Austauschbar. Unpersönlich. Nichtig. Entweder man ist eine 1 und etwas oder eine 0 und das in jeder Hinsicht.

Meiner Meinung nach ist für die Kirche viel zu vieles heilig. Für die Wissenschaft allerdings zu wenig. Lest die Bibel, den Koran oder die Vedas-Schriften. Überall wimmelt es von Regeln, seitenweise Verhaltensvorschläge, Endlossätze voller Vorschriften und tonnenschwere Bücher voller Verboten. Wenn ihr euch dann eine Wissenschaftliche Arbeit zur Hand nehmt, werdet ihr schnell bemerken, dass diese frei von Wegweisern und Wertungen ist. Es geht hunderte Seiten über die Atombombe. Was man dafür benötig, wie man sie herstellt und wie man ein Maximum an Zerstörung erreicht. Das Kapitel über die moralische Verantwortung, sittliche Regeln und ethische Bedenken dieser Entdeckung fehlt allerdings. Ich finde, dass wir unser Verantwortungsgefühl aufgegeben haben. Oder wann bist du das letzte Mal in der S-Bahn aufgestanden, als jemand belästigt wurde? Wann hast du das letzte Mal einer alten Frau deinen Platz angeboten? Wann der freundlichen Bäckersfrau ein nettes Lächeln geschenkt? Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich und eure Seele gehört nur euch selbst und keinem anderen. Weder die Wissenschaft noch die Religion kann euch wirkliche zufrieden machen. Denn darum geht es im Grunde doch. Das man sein Leben so lebt, dass man damit leben kann, dass man selbst darauf stolz ist und sein Spiegelbild jeden Morgen mit einem Lächeln begrüßt. Wer das nicht kann, hat die Macht es zu ändern. Am besten heute noch. Am besten gleich. Jetzt.

Jetzt könnt ihr nicht mehr sagen, dass ihr es nicht wusstet. Wer jetzt nicht handelt verdient es nicht anders.

(287)
 
Abgelegt unter Blog um 00:30 |

Affinator schrieb:
#1  25.Feb.2010 - 09:16

Ob geklaut oder nicht:

Wahre Worte!


tube schrieb:
#2  25.Feb.2010 - 10:52

traurig, wenn man glaubt, das alles nur durch zufall entstanden sein soll.
ich sag nur: von nichts kommt nichts.


Janthosch schrieb:
#3  25.Feb.2010 - 11:43

@tube, man weiß ja nich genau, ob es vorher nichts gab.. eine Gewitterwolke ist ja auch schon etwas ^^

Ich find den Text interessant. Vieles davon wird mittlerweile schon in den Schulen angesprochen!


Pkuzb schrieb:
#4  25.Feb.2010 - 01:08

WAAAAAAAS es gibt keinen Gott?

Oh mein Gott!!!


Pkuzb schrieb:
#5  25.Feb.2010 - 01:15

Auch wenn mich jetzt dafür hier alle zerfleischen und hassen werden, die Bibel hat diese Zustände vorausgesagt:

2. Timotheus 3:1-5
http://www.bibleserver.com/act.php?text_ref=55003001

Die Menschen werden selbstsüchtig, geldgierig, prahlerisch und eingebildet sein. ... Gott lästern, ihren Eltern nicht gehorchen ... lieblos und unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht und gewalttätig, sie hassen das Gute, ... untreu und unzuverlässig und aufgeblasen vor Überheblichkeit ... suchen nur, was ihre eigene Lust vermehrt.


Firetribe schrieb:
#6  25.Feb.2010 - 05:12

Na gut, aber das war etz nich die Hammerprophezeiung...^^

Guter Text, gutes Thema, wobei mir in der Diskussion immer zuviel Pathos steckt...


L_Ego schrieb:
#7  26.Feb.2010 - 12:50

@Pkuzb: Das hat nix mit einer Prophezeiung zu tun, es war schon immer so und wird auch immer so bleiben...
Netter Text ;)


lx schrieb:
#8  26.Feb.2010 - 03:18

Tja, Worte sind Worte.
Den(n) Verstand kannst Du begreifen und formen, das Herz bleibt unberührt.
Unbefriedigt, keinen Frieden.

1.000 Lichter blenden die eigene Finsternis gekonnt aus. Who cares?

Alk oder Antidepressiva in die Birne und Du funktionierst, fusionierst mit einer Welt, die Dich behandelt, als könnte mit zweierlei Maßstäben ein ver-es Urteil gefällt werden.

Ähm, ja. Und jetzt?

Klage ausgesprochen, dem Narzissmus den Hof gekehrt. Und jetzt?

Schuldgefühle?
Pre-Paid Karma meine Freunde...


snick schrieb:
#9  27.Feb.2010 - 11:52

hab bemerkt das Teile davon aus Contact dem Film ist...


pzy schrieb:
#10  28.Feb.2010 - 12:05

\"Die Menschen werden selbstsüchtig, geldgierig, prahlerisch und eingebildet sein. ... Gott lästern, ihren Eltern nicht gehorchen ... lieblos und unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht und gewalttätig, sie hassen das Gute, ... untreu und unzuverlässig und aufgeblasen vor Überheblichkeit ... suchen nur, was ihre eigene Lust vermehrt.\"

Als ob die Menschen damals noch nicht geldgierig, prahlerisch ... etc. waren.
Das sind halt Dinge, die der Mensch so in sich hat.
Im Endeffekt dient all das nur den besseren Überlebenschancen des Einzelnen, der sich und seine DNS dadurch besser weitergeben kann, wie bei Tieren, die Weibchen durch Balzrufe beeindrucken wollen.
Das bei uns nur auf ner höheren technischen Ebene.
Dickes Auto -> Wow, der hat Kohle -> bringt mich und mein Kind durch.


Richard schrieb:
#11  28.Feb.2010 - 06:27

Wahre Worte (Leider!). Ich finde die Enwicklung die die Welt und auch die Menschheit in den letzten Jahren (Jahrzehnten) gemacht hat sehr bedenklich. Werte, die die Menschheit früher definiert haben, sind nur noch Randerscheinungen.

Ich persönlich sehe dieser Entwicklung schon lange mit weinendem Auge entgegen.



lol schrieb:
#12  28.Feb.2010 - 09:26

wie hier alle die weinerliche konservative früher-war-alles-besser schiene fahren, ist ja mal zu geil :D

Penisgame schrieb:
#13  01.Mar.2010 - 01:35

jaja, früher war alles besser... Sogar die Zukunft!
Heilige Kirche? pah! Kreuzzüge und Massenmord an Frauen! - soviel zu moralischen Werten von Religionen.

Die Welt ist scheiße, war sie schon immer und wird sie acuh immer sein. Menschen werden nur durch besondere Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle zusammengeschweißt.

Regeln braucht man keine, außer den Naturgesetzen. Man braucht Freiheit, und zwar die absolute! Dann würde sich die Gesellschaft von selbst \"einpendeln\"


Firetribe schrieb:
#14  01.Mar.2010 - 09:09

Penisgame, bitte differenzier zwischen Religion und Institution...Weder Kreuzzüge noch Inquisition waren im Sinne des Christentums. Und was das \"einpendeln\" betrifft...ich wüsste gern wie du darüber denken würdest wenn dich ein Stärkerer über dich bestimmen würde, einfach weil er das will...Leute wie du tun mir leid, ich bin nur froh, dass Sozialdarwinismus zumindest abgeschwächt wird...

lol schrieb:
#15  03.Mar.2010 - 08:17

\"ich wüsste gern wie du darüber denken würdest wenn dich ein Stärkerer über dich bestimmen würde, einfach weil er das will...\"

wird doch heute schon uneingeschränkt gemacht, sowohl mit(industrienationen liefern z.b. waffen an ärmere länder) oder ohne gewalt(arbeit->chef, ich denke da z.b. an diverse skandale)


Rofl-lol schrieb:
#16  03.Mar.2010 - 09:16

Wenn man Märchenzeugs weglässt und nur die Lehren nimmt ist die Bibel ein tolles Buch. Zusammengefasst heißt es in etwa \"Lebe dein Leben so das du es später nicht bereuhst\"

Die \"absolute Freiheit\" ist allerdings nicht gut. In der Steinzeit hatte man das,allerdings hat man es gegen regeln getauscht damit ein zusammenleben überhaupt möglich ist.


Penisgame schrieb:
#17  04.Mar.2010 - 12:34

Ne, Fiber, es sind eher Leute wie du, die mir leid tun.
ICh bin für ein anarchisches System, ohne Herrscher. Wenn ein stärkerer meint, er müsste mich beherrschen, dann erscheiße ich ihn. Wenn jeder eine Wafe tragen würde, dann gäbs keine Massenmorge mehr. Morde ja, aber der mörder würd sofort ausgeschaltet werden. Das meine ich mit \"einpendeln\". Es würde eine ähnliche Situation verherrschen, wie im kalten Krieg -> Friede durch Angst. Nur eben auf einer anderen Ebene.
Gewisse Regeln sind nicht schlecht und acuh notwendig, aber das, was heute abgeht ist eigentlich nur noch krank.
Und das was cih sage und proklamiere, hat absolut ncihts mir Sozialdarvinismus zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand.


Richard schrieb:
#18  05.Mar.2010 - 12:52

Ohne Worte Penisgame, ohne Worte....

Mittagspause gleich rum :)


Slevin schrieb:
#19  05.Mar.2010 - 02:19

irgendwie teile ich die meinung mit penisgame, aber irgendwie auch nicht, denn es gibt IMMER einen der aus der reihe tanzt, du kannst nich alle gleich behandeln, es wird immer menschen geben die sich nicht an die regeln halten

roman schrieb:
#20  05.Mar.2010 - 04:11

dazu kann ich nur Hans Jonas sagen: \"Das Prinzip Verantwortung\"
ziemlich passender titel zum thema fortschritt und moralität. dass philosophie allerdings die wissenschaft der wahrheit und des glaubens ist, ist dem verfasser wohl nicht in den sinn gekommen. nicht dass es die auch noch gäbe.
ich bin überzeugter wissenschaftler - muss allerdings dazu sagen, dass mich das einiges kostet. bspw dass ich in nichts mehr relevanz sehe, was jemand macht. die entropie erhöht sich, das universum wird den kältetod erleiden. und da hilft alle wissenschaft der welt nichts.


BloodAngel schrieb:
#21  15.Mar.2010 - 08:58

Netter Text, stimmt schon...
Der Glaube an sich(Auch wenn ich selbst nicht gläubig bin!) ist schon ne gute und praktische sache, aber die organisierte Religion ist das Problem...

Penisgame muss ich aus eigener Erfahrung Recht geben. Um dieses \"einpendeln\" zu sehen, besuche einfach alternative(z.B. Punk-/Skingroßveranstalltungen), dort wirst du sehen, dass Menschen ohne autorietäre Mächte ein friedvolles Miteinander genießen können´.




Kommentar schreiben


Name:
Mail/Page:
Kommentar: